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Sichere Hüft- und Knieprothesen

Sichere Hüft- und Knieprothesen

Implantatauswahl im Orthopädischen Krankenhaus Schloss Werneck

 

Mit der Überschrift „Implantat Files - Das gefährliche Geschäft mit der Gesundheit“ hat die Süddeutsche Zeitung auf fehlerhafte Medizinprodukte hingewiesen. Patienten mit Hüft- und Knieimplantaten sind erheblich verunsichert. Aber gibt es eine reale Gefährdung? Wir sprechen mit Herrn Prof. Dr. med. Christian Hendrich, dem Ärztlichen Direktor des Orthopädischen Krankenhauses Schloss Werneck.

 

Prof weissHerr Prof. Hendrich, seit Anfang Dezember stehen bei Ihnen die Telefone nicht mehr still. Aber nicht nur, um Termine zu vereinbaren, sondern weil Ihre Patienten wissen wollen, ob ihre Implantate gefährdet sind?

Prof. Hendrich

Das mit dem Telefon ist richtig, wir hatten in kürzester Zeit fast 1.000 Anrufe. Die Patienten wollen zu Recht wissen, ob mit Ihren Hüft- und Kniegelenken alles in Ordnung ist.

 

Und ist alles in Ordnung?

Glücklicherweise ja, ja und nochmal ja. Aber ich kann die Verunsicherung der Patienten sehr gut verstehen. Denn wir sitzen mit unseren Patienten im gleichen Boot. Als Ärzte müssen wir uns darauf verlassen können, dass die Industrie uns erstklassige Materialien zur Verfügung stellt, die umfassend getestet sind.

 

Wenn man die Süddeutsche Zeitung liest, hat man das Gefühl, dass eine große Anzahl an Implantaten fehlerhaft ist?

Dass wiederum ist glücklicherweise nicht der Fall. Ich überblicke als Orthopäde den Implantate-Markt seit nunmehr fast 30 Jahren. Zuletzt hat es 2 spektakuläre Fälle gegeben, die dann auch zum kompletten Rückruf der Implantate geführt haben. Eines war die sogenannte Kappenprothese ASR. In Deutschland wurde dieses Modell ca. 5.000 mal eingesetzt. Das andere Implantat war eine individuelle Sonderlösung: Bei ca. 350 Patienten wurden mit einer speziellen Verbindungshülse große Metallkugeln auf konventionelle Hüftschäfte gesteckt. Beiden Implantaten gemeinsam ist, dass es sich um große Kugeln aus Metall handelte, die mit großen Pfannen aus Metall artikulieren. Beide Implantate wurden aber seit mehr als 10 Jahren kaum noch eingesetzt und sind mittlerweile vollständig vom Markt genommen worden.

 

Das Problem liegt also bereits über 10 Jahre zurück?

Allerdings – mir persönlich ist ansonsten kein weiterer Fall bekannt, bei dem ein Hüftimplantat systematisch durch Konstruktions- oder Materialfehler versagt hat.

 

Hat es denn in Ihrer Klinik systematische Implantat-Versager gegeben?

Glücklicherweise nein. Bei meinen Vorgängern wurden noch kleine Metallkugeln eingesetzt, die wir in einigen Fällen nach über 10 Jahren Standzeit ausgewechselt haben. Seit 2005 setzen wir fast ausschließlich Keramikkugeln ein. Ein systematisches Implantatversagen ist uns glücklicherweise erspart geblieben.

 

Worauf führen Sie diesen Erfolg zurück?

Der wichtigste Grund ist, dass wir bei unserem öffentlichen Krankenhausträger, dem Bezirk Unterfranken, als Ärzte entscheiden dürfen, welche Implantate wir einsetzen. Diese Entscheidung wird bei uns nicht von Ökonomen getroffen. Das heißt nicht, dass wir nicht auch auf einen wirtschaftlichen Einkauf achten. Aber unser Hauptentscheidungskriterium ist die medizinische Qualität.

 

Was sind Ihre medizinischen Kriterien?

Bewährte Materialien, ausschließlich Implantate von Weltmarktführern, Anwendbarkeit bei allen Patienten, also für verschiedenste Anatomien und Größen, ergonomische Instrumente, Lieferfähigkeit und technische Unterstützung. Last but not least: Unsere wichtigsten Implantate an Hüfte und Knie lassen sich mit Roboterunterstützung einbauen. Die MAKOplasty® Operationstechnik ist für uns der entscheidende technische Fortschritt der letzten Jahre.

 

In der Presse werden zu lasche Zulassungskriterien kritisiert. Eine Journalistin hat angeblich versucht, ein Apfelsinennetz als Vaginalimplantat zuzulassen...

Das Beispiel ist mir bekannt, aber ich glaube kaum, dass es sich so zugetragen hat. Selbstverständlich kann jeder beim TÜV anrufen, um sein selbstgebasteltes Auto zuzulassen. Am Telefon wird man ihm sagen, dass das prinzipiell möglich ist. Sobald er die zugehörigen Unterlagen und Prüfergebnisse einreichen muss, sieht die Welt schon ganz anders aus. Bei Implantaten versteht man ohne umfangreiches Spezialwissen noch nicht einmal, welche Unterlagen man in den Umschlag stecken soll.

 

Die amerikanischen Testnormen sind doch viel strenger?

Der entscheidende Unterschied ist, dass eine amerikanische Zulassung klinische Ergebnisse verlangt. Diese Diskrepanz hat die EU-Kommission bereits seit längerem erkannt, so dass ab 2020 auch in Europa klinische Tests zwingend vorgeschrieben sind.

 

Wie adressieren Sie diesen Mangel als Arzt bisher?

In dem ich selber auf klinische Ergebnisse schaue. Mittlerweile können wir sagen, dass es für jedes Implantat, das wir Hause verwenden (also auch für Sonderimplantate wie die spezielle Prothese für Sportler) mindestens 10-Jahresergebnisse mit dem Implantat selbst oder mit einem gut vergleichbaren Vorgängermodell gibt. Einige unserer Hüftimplantate sind mit ihren Vorgängerversionen fast 40 Jahre bewährt.

 

Sie haben noch andere Maßnahmen, mit denen Sie Ihre Implantat-Entscheidungen absichern?

Grundsätzlich sind wir eines der ersten Endoprothetikzentren der Maximalversorgung in Deutschland. Durch die zugehörigen Regularien sind die Bereiche Implantatdokumentation, Schulung und Behandlung von ausgebauten Prothesen exakt geregelt. Entsprechend nehmen wir auch am Deutschen Endoprothesenregister teil. Sollte die Politik eines Tages ernst machen und ein zentrales Register für alle Medizinprodukte schaffen, besteht mit dem deutschen Prothesenregister bereits ein großer Datenstamm.

 

Was ist Ihre Rolle als ärztlicher Direktor?

Prof. Hendrich

In einer großen Prothesenklinik ist es sicher von Vorteil, wenn der Chef etwas von der Thematik versteht. Dadurch, dass ich selbst über Biomaterialen geforscht habe und mehrere Patente für Medizinprodukte halte, bin ich mit dem Thema sehr gut vertraut. Für eine Klinik, die zu den größten Prothesenzentren in Deutschland gehört, ist eine entsprechende Vorbildung eigentlich unverzichtbar.

 

Ihr persönliches Resümee?

Unsere Patienten sind sicher. Die immer wieder zitierten Implantatversager an der Hüfte liegen nunmehr über 10 Jahre zurück. Als Endpoprothetikzentrum der Maximalversorgung verwenden wir ausschließlich Implantate von internationalen Marktführern, für die selbst im Bereich der Sonderimplantate exzellente 10-Jahresergebnisse vorliegen. Entscheidend ist für uns, dass wir als Operateure die Implantate selbst aussuchen. Bei unserem öffentlichen Krankenhausträger bestimmen noch die Ärzte und nicht die Ökonomen.

 

Ihr Rat an die Patienten?

Eine Hüfte ist kein Vaginalnetz. Lassen Sie sich nicht verunsichern. Wenn sie vor einer OP-Entscheidung stehen, stellen Sie Ihrem Operateur 3 Fragen:

a) Sind seine Implantate von internationalen Marktführern?

b) Gibt es mindestens 10-Jahresergebnisse?

c) Wer sucht in seiner Klinik die Implantate aus?

Wenn der Operateur Ihre Verunsicherung nachvollziehen kann, wird er Ihnen diese Fragen gerne beantworten.

 

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Ansprechpartner:
Orthopädisches Krankenhaus Schloss Werneck
Balthasar-Neumann-Platz 1
97440 Werneck
Tel: 09722 21-0
Fax: 09722 21-1447
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Hotline OP-Termine
Sekretariat Prof. Dr. med. Hendrich
Tel: 09722 - 21 2010
Fax: 09722 - 21 1447

Tanja_Heigl

Martina Schmitt
Hotline Sprechstunde
Sekretariat Prof. Dr. med. Hendrich
Tel: 09722 - 21 2020
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