MAKOplasty® – ein Computerunterstütztes Operationssystem in der Knie- u. Hüftendoprothetik.

 

RIO_System1In den USA ist die Technologie bereits an 180 Kliniken wie der Mayo Klinik und dem Hospital for Special Surgery in New York etabliert. Experten vergleichen die MAKOplasty® mit der DaVinci Technologie der Urologen: Ein bisher nicht gekanntes Maß an Präzision und Patientensicherheit in der minimal-invasiven Hüft- und Knieendoprothetik. Wird die Technologie die Endoprothetik revolutionieren? Wir fragen Prof. Dr. med. Christian Hendrich, den Ärztlichen Direktor von Schloss Werneck.

 

Herr Professor Hendrich – sind Sie wieder einmal der Erste in Deutschland?

Es sieht so aus. Außerhalb der USA stehen kurioserweise 5 System in Italien – und nun eben auch das erste System in Deutschland – bei uns in Werneck. Aber natürlich geht es nicht darum, der ERSTE zu sein. Ganz im Gegenteil: In den USA wurden mit der Makoplasty bereits 55.000 Patienten operiert. Das System hat die volle FDA-Zulassung, die viel schwerer zu erhalten ist, als die europäische CE-Kennzeichnung. Das Wichtigste ist, dass die Technologie ein bisher nie gekanntes Maß an Patientensicherheit bietet. Und diese Sicherheit können wir nun mit unseren minimal-invasiven Operationstechniken verbinden…

 

Infografik 20 MAKOplastyDie Experten vergleichen die MAKOplasty® mit dem DaVinci-System, das die Urologie geradezu revolutioniert hat?

Bei beiden Systemen verbessert die Computertechnologie Patientensicherheit und Präzision. Bei beiden Systemen behält der Operateur die volle Kontrolle über die OP – die Maschine macht nichts von alleine. Aber sie ermöglicht dem Operateur Operationstechniken, die er vorher nicht durchführen konnte. In der Urologie sitzt der Chirurg an einem 3D Terminal und kann mit robotisch gesteuerten Präzisionsinstrumenten unter optimaler Übersicht seine OP durchführen. Bei uns stehen wir unmittelbar am Patienten. Wir führen unsere Fräsmaschine selbst. Unsere präoperative CT-Planung setzen wir auf drei Weisen um: Mit dem Blick auf den Patienten, mit dem Blick auf eine 3D-Darstellung am Monitor, aber vor allem mit einem Kontrollmechanismus, die die Fräse abschaltet, bevor wir auch nur den geringsten Fehler machen können.

 

Das klingt sehr theoretisch – wie funktioniert es in der Praxis?

Nehmen wir zum Beispiel die Schlittenprothese am Kniegelenk. Vor der OP erfolgt eine Planung am CT. Dabei wird am Rechner die ideale Lage der Prothese mit einer Genauigkeit von 0,1 mm geplant. MAKOplasty Rahmen   Knie  deutsch   %20Partial%20Knee%20drwing_w_labels Kopie 2Im OP wird ein minimal-invasiver Zugang zum Gelenk angelegt. Die tatsächliche Knochenkontur des Patienten wird einem Tastfühler abgegriffen und mit der Planung verglichen. Nun wird das Gelenk durchbewegt. Dabei wird die Kinematik der Kniebänder erfasst und die Planung noch einmal auf diese Verhältnisse angepasst. Noch bevor ein einziger Schnitt am Knochen gesetzt wurde, kann der Operateur bereits die Kinematik des Gelenkes nach der Operation simulieren. Dann kommt die Operation selbst: Der Operateur fräst das Bett der Prothese und kontrolliert die OP an einem 3D-Modell am Monitor – falsch fräsen kann er allerdings nicht: Sobald er von der Planung abweicht, schaltet sich die Fräse ab. Durch das Fräsprinzip kann der Übergang zwischen Prothese und dem verbleibenden Knorpel so hergestellt werden, dass es keinerlei Stufen im Gelenk gibt. Das Ergebnis ist ein Zusammenspiel von Oberschenkel und Unterschenkel wie bei einem natürlichen Gelenk. Auch der erfahrenste Operateur wird mit dieser Technik noch besser.

 

Für wen ist die MAKOplasty® geeignet?

Patienten mit einer isolierten Arthrose der Innenseite des Kniegelenkes sind die idealen Kandidaten für die neue Technik. Daneben gibt es auch eine spezielle Prothese für die Arthrose hinter der Kniescheibe. Dieses Modell kann ebenfalls mit der erwähnten Genauigkeit stufenlos in das Gelenk eingepasst werden. Dadurch können wir nun erstmals Patienten bei gleichzeitiger Arthrose auf der Innenseite und hinter der Kniescheibe hochpräzise versorgen. Geeigneten Patienten kann man damit das vollständige künstliche Kniegelenk zugunsten einer minimal-invasiven Lösung ersparen.

 

Gibt es auch Nachteile oder Risiken?

Die dürfen wir nicht verschweigen. Es fängt mit dem zusätzlichen Planungs-CT an. Bei der Operation gehen wir zwar minimal-invasiv vor, es ist aber erforderlich, an Ober- und Unterschenkel je zwei zusätzliche Stiche für die sichere Bestimmung der Lage des Knochens im Raum anzulegen. Die Narben sind je etwa 5 mm lang. Auch verlängert sich die Operationszeit um etwa 20 Minuten, die für die Erfassung der Knochenkontur benötigt werden. Diese insgesamt kleinen Risiken werden aber durch den Gewinn an Sicherheit mehr als aufgewogen. Alle übrigen Risiken entsprechen den typischen Risiken der entsprechenden Teilprothese des Kniegelenkes.

 

FraeskopfWas ist dann der entscheidende Vorteil?

Die Sicherheit. Der Operateur operiert selbst, wird aber wie im Flugzeug vom Computer daran gehindert, einen Fehler zu machen. Mir ist bisher keine andere Technik bekannt, die die Implantate so exakt an die individuelle Anatomie des natürlichen Kniegelenkes anpassen kann. Aufgrund der perfekten Kontrollmöglichkeiten des Operateurs während aller Schritte der OP können die OP-Zugänge weiter minimiert werden.

 

Wir haben bisher nur über das Knie gesprochen. Was kann die Technologie an der Hüfte?

MAKOplasty Rahmen   Hüfte  deutsch    %20procedure%20drawing_w_labelsDazu braucht es ein eigenes Interview. Nur soviel: Die Pfannenpositionierung erfolgt auf das Grad genau so, wie es vorher am CT geplant wurde. Die meines Erachtens interessanteste Neuerung ist die absolute Kontrolle über die Beinlänge. Auch bisher konnten wir über 95% unserer Patienten ohne die Notwendigkeit eines Schuhausgleichs versorgen – nun können wir die Beinlänge endlich vollständig kontrollieren.

 

Warum hat man die Technik Ihnen in Werneck als Erstem angeboten?

Die MAKOplasty® war zweifelsohne eines der Highlights des amerikanischen Orthopädenkongresses in diesem Jahr. Faszinierend fand ich vor allem, dass erstmals die Technologie den Operateur nicht bevormundet. Unsere minimal-invasiven OP-Techniken an Hüfte und Knie können wir nun in einer neuen Dimension der Patientensicherheit anbieten. Das war mein persönlicher Antrieb. Für unseren Krankenhausträger, den Bezirk Unterfranken, steht die Qualität der Behandlung an erster Stelle. Trotz erheblicher Kosten habe ich die Zustimmung erhalten, diesen Schritt zu gehen.

Prof. Dr. med. Christian Hendrich

Ärztlicher Direktor

 

 

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Fax: 09722 21-1447
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